Löwen lassen Fans nicht mehr zappeln
KSV Hessen - Stuttgarter Kickers 2:1 (1:1)"Löwen, lasst uns nicht mehr länger zappeln", forderte der Extra Tip am Mittwoch. Am Samstag um 16:19 Uhr, war es dann endlich Gewissheit. Die Kasseler Löwen werden auch nächstes Jahr in der Regionalliga spielen. Und Vorstandsmitglied Jochen Gabriel ergänzte mit einem grinsen: "Wir haben nun mindestens zwei Jahre Regionalliga sicher". Denn durch die Einführung der neuen 3. Profiliga ab dem Sommer 2008 kann der KSV nächstes Jahr nicht in die Oberliga absteigen. Aber er kann genau diese neue Liga erreichen. "Das ist nun unser Ziel und dafür werden wir die Strukturen weiter professionalisieren", kündigte Trainer Matthias Hamann in der Stunde des Erfolges an. Denn nun hat der Verein die Planungssicherheit, die zuletzt gefehlt hat.
Die entscheidene Szene in diesem Spiel gab es in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Es stand zu diesem Zeitpunkt 0:1 gegen die Löwen. Nach einem Eckball von Berger und einem Kopfball von Turgay Gölbasi konnte der Stuttgarter Mustafa Akcay den Ball nur noch mit dem Arm von der Linie kratzen. Schiedsrichter Tobias Christ zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Am 32. Spieltag der erste Strafstoß für den KSV Hessen in dieser Saison. Und was für ein wichtiger. Thorsten Bauer zeigte keine Nerven und drosch den Ball eiskalt in die rechte obere Torecke. Durchpusten! Der Ausgleich zum 1:1 war perfekt.
Diese Szene kippte das Spiel. Denn zuvor gab es nicht viel vom KSV zu sehen. Nach dem emotionslosen gekicke in Pirmasens hat die Mannschaft auch gegen die Stuttgarter Kickers lange gebraucht, bis der Schalter umgelegt wurde. "Uns hat in der ersten Halbzeit total der Mumm gefehlt", grantelte Matthias Hamann nach dem Spiel in der Pressekonferenz. Und in der Tat. Gegen die ballsicheren Schwaben taten sich die Löwen zunächst sehr schwer. "Wir haben da viel zu wenig Laufbereitschaft gezeigt", monierte der Löwen-Trainer. So gab es in der ersten Halbzeit kaum Chancen. "Wir haben da so gespielt, wie man auswärts spielen muss", freute sich Kickers-Trainer Robin Dutt. Optisch waren die Löwen zwar überlegen, brachten aber nach vorne nichts zwingendes zu stande. Und auf der anderen Seite hatten die Kickers die erste richtig dicke Möglichkeit. Nach 32 Minuten stand Angelo Vaccaro völlig frei vor Oliver Adler, umdribbelte diesen, um dann doch an dem großartigen Löwen-Torwart zu scheitern. Doch 40 Sekunden später war es dann passiert. Nach einem Fehlpass im Mittelfeld kam der Ball zu eben diesen Vaccaro, der aus 18 Metern zum 1:0 einschoss. Also weiter zittern um den Klassenerhalt.
Nach dem Seitenwechsel dann ein ganz anderer KSV. Nach einer Kabinen-Ansprache von Trainer Matthias Hamann. "In der Halbzeit habe ich einige deutliche Worte an die Mannschaft gerichtet". Und das zeigte Wirkung. Beherzt spielte man nach vorne, suchte nun die Chance. Die erste davon nutzte gleich Mirko Dickhaut. In der 48. Minute rollte ihm der Ball 22 Meter vor dem Tor entgegen - und drin war er. Ein Tor des Monats. Gefühlvoll und platziert rauschte der Ball in den rechten, oberen Torwinkel. Nun kam die stärkste Zeit der Löwen. Berger mit einem Freistoß, Thorsten Bauer, Daniel Beyer - das 3:1 für die Löwen lag in der Luft.
Doch die Partie kippte noch einmal. In der 58. Minute war wieder der gefährliche Angelo Vaccaro frei durch, lupfte das Leder über Oliver Adler - und traf - die Latte. In der Folgezeit rissen die Kickers wieder das Kommando an sich, der KSV verlegte sich auf das Konterspiel. "Wir haben in der letzten halben Stunde wieder gut nach vorne gespielt", war Kickers-Trainer Robin Dutt nicht unzufrieden. Was den Schwaben letztlich fehlte, waren die klaren Tormöglichkeiten. Die hatte dann der KSV. Doch weder Thorsten Bauer, noch der starke Daniel Beyer konnten den Sack zu machen. So dauerte es bis 16:19 Uhr, bis das Team von Trainer Hamann die Forderung des Kasseler Anzeigenblattes in die Tat umsetzte.
Der Rest war dann nur noch Party. Spieler und Fans feierten den Klassenerhalt mit einer lauten "Humba" und dem "Diver". 46 Punkte zwei Spieltage vor Saisonende - dazu Platz 7 - Kassel kann stolz auf seinen KSV sein. Ein KSV, der niemanden mehr zappeln lässt.
Oliver Zehe
KSV: Adler - Gölbasi, Schönewolf, Klinger, Suslik - Dickhaut, Busch - Beyer, Fießer, Berger - Bauer. Trainer: Hamann
Stuttgarter Kickers: Yelldell - Benda, Wildersinn, Härter, Stierle - Hartmann, Parmak, Akcay - Vaccaro - Yildiz, Bischoff. Trainer: Dutt
Einwechslungen: 67. A. Schmidt für Dickhaut, 78. Wagner für Berger, 88. Wojcik für Bauer - 31. Kacani für Bischoff, 61. Kanyuk für Wildersinn, 82. Weller für Benda.
Zuschauer: 3300. Schiedsrichter: Christ (Kaiserslautern).
Tore: 0:1 Vaccaro (33.), 1:1 Bauer (45. + 1, Handelfmeter), 2:1 Dickhaut (48.).
Gelbe Karten: D. Beyer, S. Busch (5. Gelbe Karte / damit gegen Wehen gesperrt) - Hartmann, Stierle
Rote Karte: Akcay (45. wg. absichtlichen Handspiel)
Veröffentlicht: 19.05.2007